Praxisbeiträge zu Entscheidungsfähigkeit, Werterhalt und komplexen Bestandessituationen.



Warum der Wechsel der Verwaltung viele STWEG-Probleme nicht löst


In Stockwerkeigentümergemeinschaften wird häufig gehofft, dass mit dem Wechsel der Verwaltung auch die bestehenden Schwierigkeiten verschwinden.


Die Realität sieht oft anders aus.


Nach einem Verwaltungswechsel stellt sich zunächst Erleichterung ein. Neue Ansprechpersonen übernehmen die Aufgaben, bestehende Konflikte treten für einen Moment in den Hintergrund und die Erwartungen an einen Neustart sind gross.

Nach einigen Monaten zeigt sich jedoch nicht selten, dass dieselben Diskussionen wieder auftauchen.


  • Beschlüsse werden erneut hinterfragt.
  • Protokolle werden angezweifelt.
  • Sanierungen kommen weiterhin nicht voran.
  • Einzelne Eigentümer fühlen sich nicht gehört.

Die Stimmung innerhalb der Gemeinschaft bleibt angespannt.


Warum ist das so?

Weil viele Probleme nicht bei der Verwaltung entstehen.


Eine Verwaltung organisiert, koordiniert und setzt Beschlüsse um. Sie kann jedoch nicht verhindern, dass innerhalb einer Gemeinschaft unterschiedliche Interessen bestehen.


Wenn sich Eigentümer über Jahre hinweg misstrauen, wenn Verantwortlichkeiten unklar sind oder wenn wichtige Themen immer wieder vertagt werden, dann bleibt dieses Muster häufig bestehen – unabhängig davon, welche Verwaltung eingesetzt wird.

Die neue Verwaltung übernimmt in solchen Fällen nicht nur ein Mandat.


Sie übernimmt oft auch die ungelösten Altlasten der Gemeinschaft.


Die eigentliche Herausforderung

Besonders deutlich wird dies bei grösseren Vorhaben.


Energetische Sanierungen, Heizungsersatz, Fassadenerneuerungen oder Anpassungen des Reglements verlangen Entscheidungen.

Dort zeigt sich, ob eine Gemeinschaft handlungsfähig ist oder nicht.


Oft sind die technischen Lösungen längst bekannt.

Die eigentliche Herausforderung besteht darin, dass keine gemeinsame Entscheidungsgrundlage mehr vorhanden ist.

Dann wird die Verwaltung rasch zum Blitzableiter.


Sie soll Probleme lösen, deren Ursachen oft viel tiefer liegen.

Die Folge sind weitere Diskussionen, neue Enttäuschungen und manchmal bereits der nächste Verwaltungswechsel.


Die entscheidende Frage

In meiner Arbeit begegnen mir immer wieder Situationen, in denen die Frage nach der Verwaltung im Vordergrund steht.

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch häufig etwas anderes.


Nicht die Verwaltung blockiert die Gemeinschaft.


Die Gemeinschaft hat ihre Fähigkeit verloren, gemeinsam tragfähige Entscheidungen zu treffen.


Typische Anzeichen dafür sind:

• dieselben Diskussionen über mehrere Jahre hinweg

• wiederkehrende Zweifel an Beschlüssen

• Misstrauen gegenüber Protokollen

• fehlende Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen

• wiederholte Vertagung wichtiger Entscheidungen

• zunehmende Polarisierung zwischen Eigentümern


Verwaltung oder Handlungsfähigkeit?

In solchen Situationen kann ein Verwaltungswechsel sinnvoll sein.

Er löst jedoch nicht automatisch die Ursachen der Blockade.


Erst wenn die Gemeinschaft wieder in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen und gemeinsam zu handeln, kann eine Verwaltung ihre Aufgabe wirksam wahrnehmen.


Deshalb lautet die entscheidende Frage oft nicht:

„Brauchen wir eine neue Verwaltung?“


Sondern:

„Was hindert unsere Gemeinschaft daran, handlungsfähig zu sein?“


Denn dort beginnt meist die eigentliche Klärung der Situation.

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